Dass Kinderfotos nicht öffentlich auf YouTube oder Instagram gehören, wisst ihr. In diesem Beitrag geht es um das Teilen, das sich harmlos anfühlt: das Bild vom ersten Schultag im Familienchat, das Video vom Geburtstag in der Elterngruppe, der WhatsApp-Status oder ein Beitrag auf Facebook, den nur Freunde sehen.
In einer Studie der Universität zu Köln mit dem Deutschen Kinderhilfswerk sah die Mehrheit der befragten Eltern Facebook als öffentlich und WhatsApp als privat. Auf Facebook überlegten sie sich genauer, was sie teilen. Über WhatsApp teilten sie Bilder ihrer Kinder weitgehend bedenkenlos. Wir nutzen WhatsApp nicht. Weil viele Familien- und Elterngruppen aber dort laufen, geht es hier vor allem um WhatsApp. Wir zeigen euch, warum ein Bild im Chat weniger privat ist, als es sich anfühlt, und wie wir selbst Fotos mit Familie und Freunden teilen.
Ein Foto im Chat ist eine Kopie
Wer ein Foto in einen Chat schickt, gibt es nicht zum Anschauen herum. Jede Person, die es bekommt, hat danach eine eigene Kopie auf ihrem Handy. Was mit dieser Kopie passiert, entscheidet ihr nicht mehr.
- Die Bilder landen in der Galerie. Auf dem iPhone speichert WhatsApp empfangene Fotos in der Grundeinstellung in der Fotos-App. Ist dort die iCloud-Fotomediathek eingeschaltet, lädt das Handy sie in die Cloud von Apple. Auf Android-Handys legt WhatsApp die Bilder im Speicher des Geräts ab, wo auch die Galerie sie anzeigen kann.
- Die Chats werden gesichert. Viele sichern ihre WhatsApp-Chats in Google Drive oder iCloud. Diese Sicherungen sind nur dann Ende-zu-Ende-verschlüsselt, wenn man das selbst einschaltet.
Liegt ein Bild einmal in der Galerie, sehen es auch alle Apps, denen die Person den Zugriff auf ihre Fotos erlaubt hat. Das haben wir im Beitrag über Kinderfotos auf dem Privathandy genauer beschrieben.
Dazu kommt WhatsApp selbst. Die App gehört zu Meta, dem Konzern hinter Facebook und Instagram. In seinen Nutzungsbedingungen beansprucht WhatsApp kein Eigentum an euren Bildern. Wer die App nutzt, räumt WhatsApp aber eine weltweite, nicht exklusive, übertragbare und unterlizenzierbare Lizenz ein, die Inhalte zu verwenden, zu vervielfältigen, zu verbreiten und zu bearbeiten. Das gilt für alles, was man über die App sendet oder empfängt. WhatsApp schreibt, die Lizenz diene nur dazu, den Dienst zu betreiben. Wer ein Kinderfoto in eine WhatsApp-Gruppe schickt, räumt diese Rechte also auch für das Bild des eigenen Kindes ein, wenn auch nur für den Betrieb des Dienstes.
Die polizeiliche Kriminalprävention in Deutschland schreibt dazu: Auch über Messenger verschickte Fotos sind nicht automatisch sicher. Empfänger können sie speichern und weitergeben. Das gelte auch für vermeintlich geschlossene Gruppen und für den privaten Status im Messenger.
Wer die Bilder alles sieht
Der Kreis ist oft grösser, als man beim Abschicken denkt.
- Gruppen. In einer Elterngruppe der Klasse sind schnell zwanzig oder mehr Erwachsene. Viele kennt man kaum. Jede dieser Personen hat danach eine Kopie, auf einem Handy mit eigenen Apps und eigener Cloud.
- Der WhatsApp-Status. In der Grundeinstellung sehen den Status alle Kontakte, die ihr gespeichert habt und die auch eure Nummer gespeichert haben. Das sind meist mehr Menschen als der Freundeskreis: zum Beispiel der Handwerker vom letzten Frühling oder ehemalige Arbeitskolleginnen. Man kann den Kreis einschränken, aber das muss man selbst tun.
- Facebook „nur für Freunde“. Eine Freundesliste wächst über Jahre. Darin sind oft Menschen, mit denen man seit langem keinen Kontakt mehr hat. Und die Bilder liegen bei Meta, auch wenn nur Freunde sie sehen. Fairerweise: Für das Training seiner KI nutzt Meta in Europa nach eigenen Angaben nur öffentliche Inhalte von Erwachsenen, Beiträge „nur für Freunde“ also nicht (Stand 2025).
- Weiterleiten. Ein schönes Bild schickt die Grossmutter gerne an ihre Freundin weiter. Das ist lieb gemeint, aber damit ist das Bild bei Menschen, die ihr nicht kennt.
- Übernommene Konten. Die Kantonspolizei Zürich hat im Oktober 2026 vor Betrügern gewarnt, die WhatsApp-Konten übernehmen und dann im Namen der Opfer deren Kontakte anschreiben. Nach unserem Verständnis sitzt, wer ein Konto übernommen hat, damit auch in dessen Gruppen und bekommt die neuen Nachrichten und Bilder.
Pädokriminelle nutzen harmlose Alltagsbilder von Kindern. Die australische Behörde für Online-Sicherheit hat 2015 berichtet, dass auf manchen einschlägigen Tauschseiten bis zur Hälfte des Materials aus gewöhnlichen Kinderfotos stammte, die Eltern auf Social Media und in Familienblogs gepostet hatten. Das waren öffentliche Bilder. Die deutsche Polizei weist aber darauf hin, dass auch Bilder aus geschlossenen Gruppen und dem Status weitergegeben werden können.
Mit künstlicher Intelligenz ist das Risiko gewachsen. Kinderschutz Schweiz nennt KI-erzeugte Missbrauchsdarstellungen ausdrücklich als Gefahr von Kinderbildern im Netz. Ein IT-Sicherheitsfachmann sagte der Netzwoche im März 2026, dass für einfache gefälschte Bilder schon 5 bis 20 hochauflösende Fotos reichen, wenn Blickwinkel und Mimik unterschiedlich sind. Ein Familienchat enthält nach ein paar Jahren viel mehr Bilder eines Kindes.
Einen belegten Fall, in dem ein Bild aus einem bestimmten Familienchat in einer solchen Sammlung gelandet ist, kennen wir nicht. Es geht um Vorsorge. Jede Kopie ist eine weitere Stelle, von der aus ein Bild weitergegeben werden kann. Und ein Bild, das einmal weitergegeben wurde, lässt sich nicht mehr zurückholen.
Möglichst datenschützend Bilder teilen
Wir teilen ab und zu Bilder mit Familie und Freunden, aber wenig und gezielt. Das hat sich für uns bewährt:
- Zeigen statt schicken. Viele Bilder zeigen wir beim nächsten Treffen auf dem Handy oder auf der Kamera. Dann bleibt keine Kopie zurück.
- Einzelne Menschen statt Gruppen. Ein Bild für die Grosseltern schicken wir den Grosseltern, nicht der ganzen Familiengruppe.
- Das Gesicht muss nicht drauf sein. Ein Kind von hinten auf dem Velo oder das selbst gebaute Lego-Haus erzählt oft genauso viel. Bilder in Badekleidern oder nackt schicken wir gar nicht. Namen von Schule oder Wohnort schreiben wir nicht dazu.
- Signal statt WhatsApp. Wir verschicken Bilder mit Signal. Signal legt empfangene Bilder nicht von selbst in der Galerie ab. Wer ein Bild ausserhalb von Signal haben will, muss es selbst speichern. Die Sicherung der Chats ist freiwillig und Ende-zu-Ende-verschlüsselt, den Schlüssel bekommt Signal nie. Für einzelne Bilder gibt es die Einmalansicht: Das Bild verschwindet aus dem Chat, sobald es angesehen wurde. Ein Bildschirmfoto oder ein Foto mit einem zweiten Handy verhindert auch Signal nicht. Und wer die Bilder bekommen soll, braucht Signal ebenfalls.
- Mit Grosseltern und Freunden reden. Wir bitten darum, unsere Bilder nicht weiterzuleiten und nicht zu posten. Die meisten verstehen das sofort, wenn man erklärt, warum. Mit Grosseltern und Betreuungspersonen über den Umgang mit Kinderfotos zu sprechen, empfiehlt auch die Polizei.
- Die Kinder fragen. Sobald unsere Kinder es verstehen, fragen wir sie, ob ein Bild verschickt werden darf. Ein Nein gilt.
Fazit
Grosseltern, die weit weg wohnen, möchten sehen, wie die Enkel wachsen. Ganz schützen kann man die Bilder nicht: Auch ein Bild, das wir nur ihnen schicken, liegt danach auf ihrem Handy. Aufklärung mit ihnen darüber, wie sie mit den Bildern umgehen fanden wir daher ebenfalls hilfreich. Uns geht es darum, die Zahl der Kopien klein zu halten und bewusst zu entscheiden, wer ein Bild bekommt.
Quellen
- Universität zu Köln: Eltern gefährden regelmäßig Kinderrechte bei der digitalen Mediennutzung (Medienmitteilung zur Studie „Kinder. Bilder. Rechte.“, November 2018) und netzpolitik.org: Bericht zur Studie
- Kinderschutz Schweiz und Universität Freiburg (Fribourg): Resultatebulletin 5/2023 Sharenting und Kinderbilder im Netz
- Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes: Kinder sind kein Content (Juni 2026)
- WhatsApp: Empfangene Medien speichern (iPhone) und Ende-zu-Ende-verschlüsselte Backups (2021)
- WhatsApp: Nutzungsbedingungen, Abschnitt zur Lizenz an Inhalten
- Signal-Support: Speicherverwaltung, Signal Secure Backups und Medien zur Einmalansicht
- Vodafone: WhatsApp-Status verbergen (Standardeinstellung des Status)
- SRF Espresso: Daten für Meta-KI (April 2025)
- Netzwoche: Betrüger fordern über gestohlene Whatsapp-Konten Geld (Oktober 2026, Warnung der Kantonspolizei Zürich) und So verschärft KI das Problem von Kinderfotos im Netz (März 2026)
- Children and Media Australia: Bericht des eSafety Commissioner (2015)