Vernetztes Spielzeug im Kinderzimmer: Was Toniebox und Vorlesestifte sammeln

In fast jedem Kinderzimmer steht heute eine Toniebox oder ein Vorlesestift wie tiptoi. Die Geräte sind beliebt bei Kindern: sie können mit den Boxen schon früh selbstständig Musik und Hörspiele hören und sich von den Stiften vorlesen lassen.

Ein Teil von diesen Spielzeugen ist aber vernetzt und sammelt im Hintergrund Daten über das Nutzerverhalten und die Gewohnheiten unserer Kinder. Ich habe mir angeschaut, was über das Datensammelverhalten der Tonibox und einigen Vorlesestiften (TipToi, Bookie, Ting) bekannt ist, und teile es hier mit euch. 

Am Ende nenne ich euch eine Reihe an Möglichkeiten, unseren Kindern selbstständiges Musik- und Hörspielhören zu ermöglichen und gleichzeitig die Daten unserer Kinder zu schützen. 

Die Toniebox erstellt ein Nutzungsprofil

Fangen wir mit der Entwarnung an: Die Toniebox hat kein Mikrofon und keine Kamera, für die bisherigen Modelle ist das auch unabhängig überprüft. Sie hört dem Kind nicht zu. Sobald sie aber im WLAN hängt, meldet sie dem Hersteller, welche Figur wann aufgestellt wird, wie laut gehört wird, wann das Kind vor- oder zurückspult, dazu einen Zeitstempel und eine feste Geräte-Kennung. Für die erste Einrichtung braucht es ein Konto und eine Verbindung in die Cloud.

Jede einzelne dieser Angaben ist banal. Zusammengesetzt ergeben sie ein Nutzungsprofil des Kindes: welche Hörspiele es mag, wann es abends zur Ruhe kommt, wie lange es hört. Man kann die Box nach dem Laden der Inhalte offline betreiben, dann sendet sie im Alltag kaum noch etwas. Ganz ausschliessen lässt sich nur nicht, dass sie einzelne Ereignisse zwischenspeichert und beim nächsten Online-Gang nachschickt. Der Auslieferungszustand der Toniebox ist aber die Cloud, und das muss man aktiv ändern. 

Vorlesestifte: Es kommt auf das Modell an

Bei den Vorlesestiften ist die Nachricht angenehmer, mit einer wichtigen Einschränkung. Der klassische tiptoi-Stift spielt offline. Er speichert nicht, welche Stellen im Buch das Kind antippt, das schreibt sogar Ravensburger selbst in seine Datenschutzerklärung. Ins Internet geht nur die Manager-Software am Computer, wenn man neue Hördateien lädt. Dabei fällt vor allem die IP-Adresse an.

Anders sieht es bei zwei Varianten aus. Der tiptoi CREATE hat ein Mikrofon zum Selbstaufnehmen, und es gibt Stifte und Ladestationen mit WLAN, die selbst ins Internet gehen und das WLAN-Passwort speichern. Wer Datensparsamkeit will, greift zum schlichten Stift ohne Funk und ohne Mikrofon. Ähnlich ist es bei Bookii: Der Stift allein ist offline, heikel wird erst die App mit Bluetooth. Beim TING-Stift lädt man die Hördateien über eine Software am Computer, danach spielt er offline.

Das Risiko steckt in den Daten

Warum überhaupt darüber nachdenken, wenn niemand mithört und mit Toniebox-Daten bisher kein einziger Schadensfall bekannt ist? Weil gesammelte Daten irgendwo gespeichert werden und dort liegen bleiben. Dass das kein theoretisches Problem ist, zeigt der Spielzeughersteller VTech: 2015 wurden bei einem Angriff die Profile von rund 6,4 Millionen Kindern offengelegt. Ob daraus im Einzelfall ein konkreter Schaden wurde, ist bis heute offen, aber die Daten waren draussen, und zurückholen konnte sie niemand.

Dazu kommt ein einfacher Gedanke: Ein Kleinkind kann selbst überhaupt nicht einschätzen, was es bedeutet, wenn über seine ersten Jahre ein Datensatz mitwächst. Es kann dem nicht zustimmen. Genau deshalb finde ich, dass so ein Profil in dieser Zeit gar nicht erst entstehen muss, wenn es Geräte gibt, die schlicht offline spielen.

Musikboxen für Kleinkinder ohne Datenschutzbedenken

Bei uns steht ein Technifant. Er funktioniert ähnlich wie eine Toniebox, das Kind stellt ein Hütchen auf und es spielt los, aber er tut das offline, ohne Cloud. Dazu ist er günstig. Für die ersten Jahre reicht uns das völlig.

Es gibt aber noch mehr Geräte, die einfach offline spielen:

  • hörbert: robust und offen, komplett ohne Cloud. Oft gebraucht auf tutti oder ricardo zu finden, das drückt den Preis deutlich.
  • Dudel: neu und aus der Schweiz, ebenfalls offline. Gebraucht findet man ihn noch kaum, weil er einfach noch zu jung ist.
  • teddyCloud: für Technikaffine. Damit betreibt man eine vorhandene Toniebox über einen eigenen Server und koppelt sie von der Hersteller-Cloud ab. Ein Bastelprojekt, das sich rechtlich in einer Grauzone bewegt.

Wer technisch und handwerklich interessiert ist kann seinem Kind auch eine "Phoniebox" selber bauen. 

Worauf ich aufmerksam machen möchte

Vernetztes Spielzeug bringt Risiken mit, die man dem niedlichen Würfel oder Stift nicht ansieht. Sobald ein Gerät ein Konto verlangt, in die Cloud funkt oder ein Mikrofon hat, entstehen Daten, und die können irgendwann irgendwo landen. Daher war es mir wichtig, Alternativen zur Toniebox aufzuzeigen. 

Kennt ihr noch weitere Alternativen? Ich freue mich, von euren Erfahrungen und Gedanken zum Thema zu hören. 

Quellen

Dieser Artikel wurde aktualisiert am 23. Juli 2026